Wünschst du dir keinen Engel? – Isabel Abedi
Erste/deutsche VÖ: Jan 2009, Arena
Meine Ausgabe: Magnet-Buch von Arena


Inhalt
Isabel Abedi hat gleich 3 Kurzgeschichten in die knapp 100 Seiten gepackt. Die erste namens „Eternal Angel“ handelt von einem Jungen, der sich in ein Mädchen verliebt, das im Kaufhaus mit Engelsflügeln verkleidet Duftproben verteilt. Sie verbringen oft Zeit miteinander, aber abends hat sie nie Zeit für ihn und eines Tages findet er heraus warum.
In „Los Angeles“ macht ein Mädchen bei ihrem Vater in LA Urlaub. Sie ist genervt von ihrer Stiefmutter und ihrem Halbbruder. Auf der Strandpromenade trifft sie auf einen Jungen, der allerhand Schnickschnack verkauft, darunter auch ein Engelkartenset, von dem er ihr eine Karte schenkt. Diese Karte spielt noch eine große Rolle und verändert die Einstellung gegenüber ihrer neuen Familie komplett.
Die letzte Geschichte heißt „Ellylon“ und erzählt von einem Mädchen, dessen Großmutter eine berühmte Flötistin ist. Als diese im Sterben liegt, besucht das Mädchen sie zum ersten Mal und versucht ihr einen letzten Wunsch zu erfüllen.

Rezension
Dass Isabel Abedi gleich mit 3 Geschichten auftrumpft, hätte ich nicht erwartet, fand es aber nicht weiter schlimm. Die Autorin ist von den 4 Magnetbuch-SchriftstellerInnen definitiv die ausgereifteste und beste Schreiberin. In ihren Geschichten war ich sofort drin, die Atmosphäre hat gestimmt und es gab keine langweiligen Blablasätze.
Was ich an dem Minibuch definitiv geändert hätte, ist die Reihenfolge der Geschichten. Das Buch beginnt nämlich mit der stärken und endet mit der schwächsten. Ich fange deshalb von hinten an:
„Ellylon“ hat mich eher an eine Feen- als an eine Engelsgeschichte erinnert. Die Spannung wird aufrecht erhalten, weil man sich fragt, wer oder was Ellylon ist und auch der Konflikt zwischen Mutter und Großmutter ist interessant mit anzuschauen. Die Auflösung am Ende fand ich aber viel zu schwach. „Ellylon“ plätschert einfach nur so dahin und hätte wie gesagt einen guten Einstieg in die Geschichtensammlung gemacht.
„Los Angeles“ hat mich ein bisschen an Lucian erinnert, denn auch in dem Roman wohnt der Vater der Protagonistin in LA und hat eine neue, nicht gerade beliebte Frau. „Los Angeles“ ist die Kürze zur Last gefallen. Der Anfang schreitet noch in passendem Tempo voran, aber nachdem das Mädchen die Engelskarte erhält und daraufhin der Höhepunkt der Geschichte stattfindet (der ganz nett, aber auch nicht super spektakulär ist), wird das Ende viel zu schnell abgehandelt. Die Wandlung der Protagonistin geht unnatürlich schnell voran, da die geringe Seitenzahl einfach keine authentische Entwicklung zugelassen hat.
„Eternal Angel“ hat zwar einen kitschigen Titel, aber in Verbindung mit dem Inhalt macht er Sinn. Die Geschichte hat mich am meisten ergriffen. Die Verliebtheit zwischen den beiden Hauptfiguren wird wunderbar und originell beschrieben. Der Leser rätselt mit, was es mit dem Geheimnis der Geliebten auf sich hat und ich war schockiert (wenn auch nicht völlig überrascht) und ergriffen von der Auflösung. Es ist verdammt schade, dass die Geschichte da auch schon endet. In „Eternal Angel“ bietet Isabel Abedi eigentlich eine Plotgrundlage für einen ganzen Roman und meinetwegen hätte sie sich die anderen zwei Geschichten sparen können und lieber noch ausführlicher vom Eternal Angel erzählen sollen.

Alles in allem, stilistisch wunderbar wie man es von Isabel Abedi kennt. Die Geschichten sollten man lieber von hinten nach vorn lesen, um sich die beste für den Schluss aufzuheben.

[3,5 STERNE]