Theater, Theater, der Vorhang geht auf...
Hätte Kishon nicht in seinem Buch selbst davor gewarnt, dass es abgeschmackt sei, Rezensionen zu seinem Buch mit "Kein Applaus für Kishon" zu titeln - nun, ich hätte es getan. So muss ich mir einen anderen "messerscharfen Satz" suchen, um ein "witziges Massaker" anzurichten, das die gesammelte Hörerschaft in "Freudentaumel" versetzt, wie I.L. Kunstetter, einer der wiederkehrenden Protagonisten dieses Buchs und gefürchteter Theaterkritiker, das so gut kann.

Denn Theaterkritiker und wir Buchrezensenten haben eins gemeinsam.
Kenner der Sachlage wissen, daß der normale Theaterkritiker seine Kritik nicht etwa deshalb schreibt, damit über das Stück, den Autor, die Schauspieler oder den Regisseur gesprochen wird. Über ihn selbst soll gesprochen werden, über ihn ganz allein. (S. 75)

Nun ja, wozu soll ich mir sonst die Mühe machen, hier immer wieder mehrere Absätze Herzblut und manchmal Galle zu vergießen, wenn dann doch nur über den Autor eines Buchs gesprochen wird? Hier bei Goodreads ist man immerhin vor den Eierwürfen geschützt, die Titelheld und israelisches Schauspielurgestein Jarden Podmanitzki auf dem Cover entgegennehmen muss; bei Amazon würde es eh jetzt schon NH-Klicks hageln von den Gesichtslosen, die, wenn sie schon selbst keine Bücher schreiben können, dann nichtmal eine Kritik formulieren können.

Nehmen Sie sich das zu Herzen, junger Mann. Das Leben gehört den Debilen und Defekten. Sie sind es, denen die allgemeine Zuneigung gilt. Die Starken und Gesunden sorgen für sich selbst. (S. 267)

Kishon ist ein Meister darin, die "Debilen und Defekten" zu portraitieren, und zu zeigen, dass, egal wie bedauernswert jemand ist, immer noch eine böse Seite in ihm steckt, die nur darauf wartet, herausgelassen zu werden.

Viele der Satiren in diesem Band wirken allerdings etwas sehr routiniert heruntergeschrieben, und lassen oft den leisen Charme Kishons vermissen.